Beiträge 2018

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Sonderbeitrag

Der 150t Schwimmdrehkran "SK-16"

Der 150t Schwimmkran wurde 1909 bei der um 1872 gegründeten “Duisburger Maschinen AG“ vormals “Bechem & Keetmann“ gebaut. Er trug die Bezeichnung “Kran 3“. Vorgänger dieses Schwimmkranes war der um 1905 gebaute 100t Schwimmkran “Langer Heinrich I“. 1913 erfolgte dann der Nachfolger des 150t Schwimmkrans “Kran 3“, der 250t Schwimmkran “Langer Heinrich II“. “Kran 3“ ist einer von insgesamt 4 baugleichen Schwimmkrane, die von der “Kaiserlichen Werft Kiel" bestellt wurden.

100t Schwimmkran "Langer Heinrich I", gebaut 1905.

150t Schwimmkran "Kran 3", gebaut 1909.

250t Schwimmkran "Langer Heinrich II", gebaut 1915.

Wie kam “Kran 3“ nach Bremen ? Auf der "AG Weser" Werft in Bremen gab es, wie auf der Kieler Werft ein großes U-Boot-Bauprogramm der Kriegsmarine. Dort war ein werfteigener 100t Schwimmkran eingesetzt, der für das aufsetzen von U-Boot-Sektionen auf den Helgen zuständig war. Am 23. Juni 1944 wurde der 100t Schwimmkran bei einem Luftangriff so stark beschädigt, dass eine schnelle Reparatur nicht möglich war. Um den Produktionsprozess des U-Boot-Baus nicht zu unterbrechen, forderte die "AG Weser" einen Ersatzschwimmkran als Leihgabe aus Kiel an, der den 100t Schwimmkran solange ersetzen sollte, bis dieser wieder einsatzfähig war.

Der werfteigene 100t Schwimmkran vor dem Luftangriff.

Den ersten Einsatz auf der "AG Weser" hatte “Kran 3“ am 30. Juni 1944 beim verholen von U-Boot-Sektionen des sich im Bau befindliche U-Boot U-3005, was am 21. Juni 1944 auf Kiel gelegt wurde. Am 17. September 1944 wurde die Werft erneut aus der Luft angegriffen. Um weiteren Schaden zu vermeiden, wurde “Kran 3“ zusammen mit dem beschädigten 100t Schwimmkran am 20. November 1944 zur Getreideverkehrsanlage in den Getreidehafen verholt und dort festgemacht.

Links: Erster Einsatz von "Kran 3".

Rechts: Beide Krane im Getreidehafen.

Am 17. Februar 1945 wurde die Werft erneut aus der Luft angegriffen. Dabei wurde die Kranspitze des Auslegers von einer Fliegerbombe so stark beschädigt, dass sie halb abriss. Der Rest des Auslegers und des Pontons war zu diesem Zeitpunkt noch intakt. Nur einen Tag später erfolgte ein weiterer Luftangriff, wobei der Ponton des Kranes durchschlagen wurde. Der gesamte Kran lief voll Wasser und setzte sich an dem Strandabschnitt des Getreidehafens selbst auf Grund. In dieser Lage verweilte der Kran bis Ende 1945.

Schwimmkran "Kran 3" Ende 1945.

Im Zuge des Wiederaufbaus der Bremischen Häfen, der Getreideanlage und der "AG Weser" Werft, wurde der Ponton notdürftig durch eine höhere Bordwand aus Holz und Leinengewebe verschlossen. Durch das leer pumpen bekam der Kran wieder Auftrieb und konnte zur "AG Weser" geschleppt werden, wo Maschinen und Kranausleger notdürftig repariert wurden.

Gut zu erkennen am Gegengewicht unterhalb der Fenster die Bezeichnung "Kran 3" und am Schornstein das Logo der "Deutschen Werke Kiel".

Der Kran war maßgeblich beim Wiederaufbau der Bremischen Hafenanlagen, der Getreideverkehrsanlage und der "AG Weser" beteiligt und war auch für das bergen von Schiffen und Hindernissen aus den Hafenanlagen und der Weser eingesetzt.

 

Anfang 1950 ging der Schwimmkran dann offiziell in den Besitz der neu gegründeten "AG Weser" über. “Kran 3“ war nach Ende des Krieges durch die Alliierten beschlagnahmt worden und wurde symbolisch für 1 US Dollar an die Werft verkauft. Die “Kaiserliche Werft Kiel“ war zu diesem Zeitpunkt längst aufgelöst worden. Eine Rückgabe war deshalb nicht mehr notwendig.

 

Zu diesem Zeitpunkt war das gesunkene "Schwimmdock IV" der Werft wieder einsatzbereit und konnte “Kran 3“ docken. Die Holzverkleidung wurde komplett entfernt, damit der Ponton repariert werden konnte. Dieser bekam u.a eine neue Maschinenanlage. Die vorherige Maschine wurde mit Dampf betrieben. Die Spitze des Auslegers wurde nachgebaut und erneuert. Im Juni 1950 war der Schwimmkran wieder einsatzbereit und trat seinen Dienst als “SK-16“ bei der "AG Weser" an.

Oben links und rechts: Im Schwimmdock zur Reparatur.

Unten links und rechts: Erster Einsatz als "SK-16".

Er wurde bis 1983 für die Ausrüstung der vom Stapel gelaufenen Schiffe, sowie bei Reparatur- und Umbauschiffe eingesetzt. Er wurde zwischendurch an die "Bremer Lagerhausgesellschaft" für den Transport von schwerem Stückgut in den Bremer Häfen entliehen. Bis zur Schließung der Werft am 31. Dezember 1983, war der Schwimmkran im fast täglichen Einsatz. Den Spitznamen "Blauer Klaus" bekam der Kran, nachdem er bei einer Inspektion im Jahre 1969 in "AG Weser Blau“, der Firmenfarbe lackiert wurde.

Aufnahmen von 1970 bis 1983.

Das Alter des Schwimmkranes kann durch die Recherche nun auf 108 Jahre bestimmt werden (Stand: 12/2017). Nach der Schließung der "AG Weser" 1983, ging er in den Besitz der "Schichau Seebeck" Werft über und wurde 1998 an die "Lloyd Werft" verkauft. Er ist derzeit für die "Bredo Werft" tätig

(Stand: 12/2017).

Aktuelle Aufnahmen vom "SK-16" 2017.

 

Technische Daten des Schwimmkrans SK-16

 

Ponton:

Länge Ponton: 40,00 m

Länge Ponton mit Scheuerleiste: 40,40 m

Breite Ponton: 22,95 m

Breite Ponton mit Scheuerleiste: 23,35 m

Ponton Höhe: 04,00 m

Tiefgang laut Konstruktion CWL: 02,20 m

Balasttanks: 24 Stück

Dieselöltanks: 2 x 5t

Frischwassertank I : 30t

Frischwassertank II.: 400l

Stauräume für Werkstatt und Hebegeschirr 3

 

Motoren:

 8 geschlossene Motoren von je 35 PS, Drehzahl 500 U/Min, 200 Volt, davon je zwei am 150t Hubwerk und am Einziehwerk. Für das verholen des Pontons sind vier Spills vorhanden, von denen ein jedes 5t Zug bei 5 m/min hat.

 

Steuerung:

2 in den Ponton eingebaute Gleichstrom – Steuermaschinen

(Leonhard – Schaltung) von 60 und 30 KW, 200 Volt, angetrieben durch eine Dampfturbine von 150 PS. Ein zweiter derartiger Maschinensatz dient als Reserve.

 

Kranaufbau und Ausleger:

Kranaufbauhöhe von Oberkante Ponton bis Drehachse: 23,00 m

Höhe des Auslegers in der höchsten Position ab CWL: 75,00 m

Länge des Auslegers ab Drehachse: 42,00 m

Maximale Bauhöhe: 70,05 m

 

150t Hubwerk:

Die Ausladung bei 150t beträgt 19,00 m und 29,05 m bei 50t.

Die Hubgeschwindigkeit bei vollen 150t beträgt 1,1 m/min.

 

30t Hubwerk:

Höchstauslastung: 44,00 m

Hubgeschwindigkeit: 4,0 m/min

 

10t Schräglaufkatze:

Hubgeschwindigkeit: 10 m/min

Fahrgeschwindigkeit: 25-50 m/min

 

Zeitdauer für Einziehen des belasteten Auslegers: 8-15 min

Zeitdauer für Auslegen des belasteten Auslegers: 6-8 min

Vollständige Umdrehung des Auslegers: 4-5 min

 

Antrieb und Ausrüstung nach dem Umbau 1950:

2 x MAN Diesel von je 180 PS für Ponton und Kran. Die Hubmotoren werden durch 2 x Generatoren von je 236 KW betrieben, die mit den Maschinen verbunden sind. Angetrieben wird der Schwimmkran durch einen Azimuth-Propeller und ist für kleine Fahrten konstruiert. Für längere Fahrten werden Schlepper zur Hilfe eingesetzt.

Quellen:

 

Elektrische Kranausrüstungen der Siemens-Schuckert-Werke nach 25 jähriger Entwicklung. Teil 1 - Motoren und Aparate Springer Verlag 1913

 

Ein Jahrhundert Deutscher Maschinenbau 1819 – 1919.

Springer Verlag 1922

 

Kran- und Transportanlagen für Hütte, Hafen,

Werft und Werkstattbetriebe.

Springer Verlag 1926.

 

Werftarchiv der Deutschen Werke Kiel. https://deutschewerkekiel.jimdo.com

 

AG ,Weser´ Werftarchiv

Konstruktionsplan Schwimmdrehkran 150t

 

DEMAG Cranes Archiv

 

Historisches Archiv Krupp / Villa Hügel

 

Staatsarchiv Bremen / Hafenamt Bremen / WSA Bremen